Château d’Yquem ist eine der großen Ikonen des Bordeaux und nimmt innerhalb der Appellation Sauternes eine einzigartige Stellung ein. Als einziges Weingut erhielt es im Jahr 1855 den Rang eines Premier Cru Classé Supérieur. Auf einem der höchsten Punkte der Region entstehen Süßweine, die weltweit als Maßstab für Eleganz, Balance und Langlebigkeit gelten.
Die Geschichte des Weinguts reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück: Im Jahr 1593 übernahm Jacques Sauvage das Anwesen; aus dieser Zeit stammen auch die ersten Hinweise auf späte Lesepraktiken. Ab 1785 prägte die Familie Lur-Saluces über zwei Jahrhunderte den Stil des Hauses, führte es zu internationalem Ruhm und erreichte mit der Klassifikation von 1855 die offizielle Anerkennung. Im Jahr 1999 übernahm die LVMH-Gruppe die Mehrheit an Château d’Yquem. Seit 2004 wird das Gut von Pierre Lurton geleitet, der zugleich Direktor von Cheval Blanc ist. Er hat die Identität des Guts bewahrt.
Die rund 100 Hektar im Ertrag stehenden Weinberge von Château d’Yquem liegen auf kiesigen Kuppen mit tonigem Untergrund über Kalkstein. Dieser speichert Wasser und ermöglicht eine tiefe Durchwurzelung. Sie sind zu etwa drei Vierteln mit Sémillon und zu einem Viertel mit Sauvignon Blanc bestockt. Das besondere Mikroklima, das durch das Zusammenspiel des kühlen Ciron mit der Garonne entsteht, begünstigt Morgennebel und somit die Edelfäule Botrytis cinerea, welche Zucker und Aromen in den Beeren konzentriert.
Im Keller wird kompromisslos auf Präzision und Geduld gesetzt. Die Trauben werden ausschließlich von Hand in mehreren Durchgängen gelesen – im Schnitt vier, in schwierigen Jahren deutlich mehr –, nur perfekt botrytisierte Beeren gelangen in die Presse. Der Ertrag liegt bei acht bis zehn Hektolitern je Hektar, was kaum einem Glas pro Rebstock entspricht. Die Gärung erfolgt in neuen Barriques aus französischer Eiche. Anschließend reifen die Weine rund 20 Monate im Fass. In Jahren ohne ausreichende Qualität – etwa 1992 oder 2012 – verzichtet Château d’Yquem ganz auf den Grand Vin.
Die Weine zeichnen sich durch eine außergewöhnliche aromatische Tiefe aus, in der sich Aromen von Aprikose, Honig, kandierten Zitrusfrüchten und feinen Gewürzen vereinen. Ihre legendäre Balance aus Süße und Säure verleiht ihnen enorme Frische und ein Reifepotenzial über viele Jahrzehnte, wie die Jahrhundertjahrgänge von 1811 bis 2001 belegen. Mit dem trockenen Ygrec, der seit 2005 in jedem Jahrgang erzeugt wird, ergänzt Château d’Yquem sein Portfolio um eine rare Facette.

















