Château Phélan Ségur 2018: Der Kraftprotz springt förmlich aus dem Glas
Es war ein lauer Sommerabend nach norddeutschen Verhältnissen und das triste Grau-in-Grau weckte irgendwie die Lust auf Rotwein in mir. Zugegeben, im Sommer trinke ich selten gereifte Bordeaux-Weine, doch die leichte Brise mit Nieselregen und die Frage, wo der heißeste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen bleibt, erinnerten mich an den Bordeaux-Jahrgang 2018 – und an den Château Phélan Ségur 2018 aus Saint-Estèphe.
Bereits zu Jahresbeginn hatte ich das Glück, den Château Phélan Ségur 2018 direkt vor Ort auf dem Weingut zu verkosten. Im Rahmen der En-Primeur-Kampagne zum Bordeaux-Jahrgang 2024 hatte mich Veronique Dausse, die langjährige Direktorin von Château Phélan Ségur, zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Schon damals war ich von der Trinkreife des Weins beeindruckt.
Château Phélan Ségur hat in den letzten Jahren viel Zeit und Geld in die Neustrukturierung der Weinberge sowie in die Kellertechnik investiert, sodass die Qualität der Weine deutlich zugenommen hat. Dementsprechend hatte ich mir nach meinem Besuch auf dem Weingut noch einige Kisten des Château Phélan Ségur 2018 gesichert, um diesen in Ruhe nachzuverkosten.
Fazit zum Château Phélan Ségur 2018 aus Saint-Estèphe
Der Château Phélan Ségur 2018 wurde aus einer 0,75-Liter-Flasche direkt vom Weingut verkostet. Der Rotwein aus Saint-Estèphe hat einen Alkoholgehalt von 14,0 % Vol. und setzt sich aus den Rebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot zusammen. Nachfolgend findest Du meine Verkostungsnotizen:
Anblick: Im Glas präsentierte sich der Château Phélan Ségur 2018 in einem nahezu schwarzen Purpurrot mit opaker Mitte und violetten Reflexen. Am Glasrand war eine dezente Aufhellung erkennbar, während sich an der Glaswand die hohe Viskosität des Weins abzeichnete.
Geruch: Trotz einer leichten Brise auf dem Balkon war das Bouquet auch ohne das Hineinhalten der Nase ins Glas vernehmbar. Zunächst waren sehr reife Noten schwarzer Früchte wie Schwarzkirsche, Cassis oder Brombeere erkennbar. Es folgten Aromen von Lakritz und Schokolade sowie eine dezente Süße.
Geschmack: Am Gaumen präsentierte sich der 2018er Phélan Ségur anfangs eher zurückhaltend, entwickelte sich aber mit der Zeit zu einem echten Kraftprotz. Er wirkte sehr ausgewogen und balanciert, das samtige Tannin zeigte leicht sandige Einschlüsse und der Abgang war von ordentlicher Länge.
Fazit (94 Punkte): Bereits Anfang des Jahres, bei meiner Verkostung auf dem Weingut, war ich von der Trinkreife des Château Phélan Ségur 2018 beeindruckt. Für meinen Geschmack beginnt langsam die Phase, in der sich der Saint-Estèphe von seiner besten Seite zeigt – und doch hat er garantiert ein langes Leben vor sich.
© Bilder: Kim-Christopher Granz, SelteneWeine.de