Das Weingut Vieux Château Certan zählt zu den angesehensten am rechten Ufer von Bordeaux. Es liegt auf dem höchsten Teil des Plateaus von Pomerol, einer Appellation ohne offizielle Klassifikation, in der allein die Qualität über den Rang entscheidet. Die Weine des Guts, die seit Jahrzehnten an ihrer rosafarbenen Kapsel erkennbar sind, zählen regelmäßig zur Spitze der Appellation.
Die Anfänge des Weinguts reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück: Um die Mitte des Jahrhunderts baute die schottischstämmige Familie Demay das Gut auf, das Herrenhaus entstand um 1770. Im 19. Jahrhundert galt das Anwesen als die führende Adresse von Pomerol, ehe Pétrus diesen Rang übernahm. 1924 erwarb der belgische Weinhändler Georges Thienpont das Gut, das seither im Familienbesitz ist. 1985 übernahm Alexandre Thienpont die Leitung, heute arbeitet sein Sohn Guillaume an seiner Seite.
Die 14 Hektar Reben von Vieux Château Certan verteilen sich auf rund 23 Parzellen auf dem Plateau von Pomerol. Die Böden aus Kies über eisenhaltigem Lehm verbinden gute Drainage mit Wärmespeicherung und grenzen unmittelbar an die Lagen von Pétrus, La Conseillante und L’Évangile. Das Weingut ist zu etwa 65 Prozent mit Merlot bestockt, ergänzt um 30 Prozent Cabernet Franc und fünf Prozent Cabernet Sauvignon. Eine besonders alte Merlot-Parzelle stammt noch aus dem Jahr 1932.
Im Keller setzt Vieux Château Certan auf strikte Handlese und parzellenweise Vinifikation in 21 temperaturkontrollierten Gärbehältern – acht davon sind aus Holz, dreizehn aus Edelstahl. Jede Rebsorte wird getrennt vergoren. Der Ausbau dauert rund 20 Monate in französischen Barriques, wobei der Neuholzanteil je nach Jahrgang bei etwa der Hälfte liegt. Minimale Eingriffe sollen die Identität des Terroirs bewahren.
Der Grand Vin von Vieux Château Certan vereint dunkle Beeren, Veilchen, feine Gewürze und mineralische Noten mit seidigen Tanninen und großer Länge. Der hohe Anteil an Cabernet Franc verleiht ihm eine Eleganz, die eher an große Médoc-Gewächse erinnert, verbunden mit der Kraft des rechten Ufers. Seit 1986 ergänzt der Zweitwein La Gravette de Certan die Linie. Er ist benannt nach einer Parzelle, die 1946 erworben wurde. Große Jahrgänge reifen über Jahrzehnte.


















