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Deutscher Riesling unter den teuersten Weinen der Welt 2026

Für mich ist deutscher Riesling der beste Weißwein der Welt – und ich finde, wir Weinliebhaber sollten das deutlich häufiger nach außen tragen. Es fasziniert mich immer wieder, welche Eleganz, Präzision und Tiefe diese Rebsorte aus dem 15. Jahrhundert in den richtigen Händen entwickeln kann, ohne dabei je ihre Herkunft zu verleugnen.

Wie groß Riesling werden kann, hat mir zuletzt eine Flasche Egon Müller Scharzhofberger Riesling Feinste Auslese 1964 vor Augen geführt. Mehr als sechs Jahrzehnte nach der Ernte stand da ein bernsteinfarbener Wein mit goldenen Reflexen im Glas, der – um meine eigene Verkostungsnotiz zu zitieren – schlicht „geile“ Aromen zeigte und eine Lebendigkeit besaß, die man einem Wein dieses Alters kaum zutraut. Es sind solche Flaschen, die belegen, weshalb große deutsche Rieslinge zu den langlebigsten Weißweinen überhaupt zählen.

Umso bemerkenswerter ist es, wenn sich diese Sonderstellung in einer ganz anderen Disziplin wiederfindet: beim Preis. Wer die Rangliste der teuersten Weine der Welt von Wine-Searcher aus dem Jahr 2026 durchgeht, landet fast zwangsläufig im Burgund. Pinot Noir und Chardonnay aus einer Handvoll Grand-Cru-Lagen beherrschen die Spitze des internationalen Marktes mit einer Konsequenz, an die derzeit keine andere Region heranreicht – neun der zehn teuersten Weine stammen von dort.

Der zehnte nicht. Zwischen Musigny, Montrachet, Romanée-Conti und Chambertin steht im Jahr 2026 ein einziger Ausreißer: ein deutscher Riesling von der Saar.

Das sind die teuersten Weine der Welt 2026

Die Rangliste basiert auf den von Wine-Searcher ermittelten durchschnittlichen Einzelhandelspreisen für Wein im weltweiten Handel. Sie zeigt somit nicht den höchsten jemals bei einer Auktion erzielten Preis für eine einzelne Flasche, sondern das internationale Preisniveau, zu dem die jeweiligen Weine im Handel angeboten werden.

Die teuersten Weine 2026 laut Wine-Searcher:

  • Leroy Musigny Grand Cru – 54.516 Euro
  • Domaine d’Auvenay Chevalier-Montrachet Grand Cru – 22.085 Euro
  • Domaine d’Auvenay Bâtard-Montrachet Grand Cru – 21.285 Euro
  • Domaine de la Romanée-Conti Romanée-Conti Grand Cru – 21.247 Euro
  • Domaine Leflaive Montrachet Grand Cru – 17.429 Euro
  • Domaine Georges & Christophe Roumier Musigny Grand Cru – 15.135 Euro
  • Leroy Chambertin Grand Cru – 14.231 Euro
  • Olivier Bernstein Romanée-Saint-Vivant Grand Cru – 12.867 Euro
  • Egon Müller Scharzhofberger Riesling Trockenbeerenauslese – 11.924 Euro
  • Domaine d’Auvenay Mazis-Chambertin Grand Cru – 11.603 Euro

Die Dominanz des Burgunds könnte kaum deutlicher ausfallen. Neun der zehn Positionen stammen aus der französischen Weinregion, davon sind sechs Pinot Noir und drei Chardonnay. Der einzige Wein, der diese burgundische Phalanx durchbricht, ist die Scharzhofberger Riesling Trockenbeerenauslese von Egon Müller.

An der Spitze steht mit deutlichem Abstand der Leroy Musigny Grand Cru, dessen Durchschnittspreis innerhalb von fünf Jahren um 119,4 Prozent gestiegen ist. Auch darunter bewegt sich die Liste spürbar: Das Zehnerpaket verteuerte sich gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent auf 202.327 Euro, sechs der zehn Weine wurden teurer. Nur zwei wurden günstiger: der Chevalier-Montrachet von Domaine d’Auvenay und, mit einem Minus von 15,8 Prozent, eben jene Scharzhofberger Trockenbeerenauslese. Den steilsten Sprung machte Olivier Bernsteins Romanée-Saint-Vivant Grand Cru, der allein im vergangenen Jahr um 104 Prozent zulegte.

Dass Deutschland in dieser Aufstellung überhaupt vertreten ist, bleibt bemerkenswert und folgt einer anderen Logik als der Rest der Liste. Im Burgund macht die Lage den Preis. Bei Egon Müller ist es die Seltenheit: Die Trockenbeerenauslese entsteht ausschließlich in Ausnahmejahren und je nach Jahrgang in einer Menge von hundert bis vierhundert Flaschen für den gesamten Weltmarkt. Vom 2017er waren es exakt hundert und davor wurde der letzte Jahrgang 2011 erzeugt.

Gelesen wird Beere für Beere an einem einzigen Hang über der Saar auf Schiefer in einem Klima, das in manchen Jahren kaum reife Trauben zulässt. Dass dieser Wein zuletzt 15,8 Prozent an Wert verlor, ändert daran wenig – wo es kaum Flaschen gibt, schwankt auch der Preis stärker.

Und doch lässt sich die Größe dieser Weine nicht an Ranglisten messen. Sie misst sich an Abenden wie jenem mit der Feinsten Auslese von 1964, die nach mehr als sechs Jahrzehnten noch immer Spannung und Leben im Glas hatte. Dass ein solcher Wein zugleich zu den teuersten der Welt zählt, ist eine schöne Fußnote. Der eigentliche Beweis steht im Glas.

© Titelbild/Bilder: Kim-Christopher Granz, SelteneWeine.de

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