Château Latour in Pauillac zählt zu den berühmtesten Weingütern der Welt und wurde in der Klassifikation von 1855 als Premier Grand Cru Classé eingestuft. Unter Sammlern gilt der Grand Vin als Inbegriff des großen Médoc: Er ist kraftvoll, langlebig und zeigt über Jahrzehnte hinweg eine seltene Konstanz.
Seine Geschichte reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück, als der nahe der Gironde gelegene Festungsturm La Tour de Saint-Maubert im Hundertjährigen Krieg den Fluss sichern sollte. Der heutige Rundturm, das Wahrzeichen auf dem Etikett, entstand um 1620.
Ab 1695 prägte die Familie de Ségur den Aufstieg von Château Latour. Nicolas-Alexandre de Ségur, auch „Prinz der Reben” genannt, vereinte zeitweise mehrere – spätere – Erste Gewächse in einer Hand. Im Jahr 1787 lobte Thomas Jefferson, damals Gesandter in Paris und später amerikanischer Präsident, die Weine des Guts. 1963 verkauften die Nachfahren der Familie de Ségur drei Viertel der Anteile an die britische Pearson-Gruppe und das Handelshaus Harveys of Bristol. 1993 erwarb der französische Unternehmer François Pinault das Gut für umgerechnet rund 130 Millionen Dollar.
Die Rebfläche von Château Latour umfasst 92 Hektar, davon sind 78 Hektar bestockt. Der Anteil von Cabernet Sauvignon beträgt rund drei Viertel, ergänzt durch Merlot sowie kleine Anteile Cabernet Franc und Petit Verdot. Das Herzstück ist der mit einer Mauer umfriedete L’Enclos: 47 Hektar in unmittelbarer Nähe zur Gironde. Deren tiefe Kiesböden über tonhaltigem Untergrund gelten als eines der größten Terroirs von Bordeaux. Nur aus diesem Kern stammt der Grand Vin. Seit 2019 ist der Weinberg biozertifiziert, Teile davon werden biodynamisch bewirtschaftet.
Im Keller wird parzellenweise in temperaturgeführten Edelstahltanks vergoren, seit 1995 unter der Leitung von Direktor Frédéric Engerer. Anschließend reift der Grand Vin von Château Latour rund 18 Monate in ausschließlich neuen französischen Barriques, der Zweitwein zur Hälfte in neuem Holz. 2012 verließ das Weingut als erstes Premier Cru den En-Primeur-Handel und gibt seine Jahrgänge erst mit Trinkreife frei.
Stilistisch steht Château Latour für Dichte, eine feste Tanninstruktur und ein Reifepotenzial, das häufig über ein halbes Jahrhundert reicht. „Les Forts de Latour”, seit 1966 aus jüngeren Reben und weiteren Parzellen erzeugt, erreicht das Niveau mancher klassifizierter Gewächse. Der Drittwein „Pauillac de Latour” ergänzt die Linie. Der Grand Vin gehört bis heute zu den begehrtesten und teuersten Rotweinen der Welt.


















