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Le Pin 2025 – Verführerische Trinkfreude ohne Kompromisse

Wer den Le Pin 2025 genießen darf, kann sich glücklich schätzen. In der Regel verlassen nicht mehr als 600 Kisten pro Jahr das kleine Weingut, das zwischen Vieux Château Certan und Château Trotanoy liegt. Einen Termin bekommt man hier nicht, sondern man wird eingeladen. So saß ich nun nervös und leicht angespannt im Vorzimmer des Degustationsraums und wartete darauf, den neuen Jahrgang im Rahmen meiner En Primeur-Reise zu verkosten.

Als Jacques Thienpont mir persönlich die Tür öffnete und mich hereinbat, war das einer jener Momente, die man nicht so schnell vergisst. Mein breites Grinsen glich dem eines kleinen Jungen, der seine Vorfreude nicht mehr verbergen konnte. Und doch war da diese innere Unruhe: Würde ich dem Wein gewachsen sein? Würde sich die sagenumwobene „Magie” wirklich im Glas zeigen? Denn kein anderer Bordeaux hat in den vergangenen drei Jahrzehnten einen derart rasanten Aufstieg hingelegt – vom sprichwörtlichen Vin de Garage zum gefeierten Kultwein.

Um Le Pin zu verstehen, muss man die Vorstellung der großen Châteaux hinter sich lassen. Hier geht es nicht um Inszenierung, sondern um rund 2,9 Hektar auf einer „Insel“ aus blauem, eisenhaltigem Ton, wie sie selbst in Pomerol kein zweites Mal zu finden ist. Auf diesem Boden und in Verbindung mit der Rebsorte Merlot entsteht ein Wein, der seinen berühmten Nachbarn Petrus nicht kopiert, sondern ihm bewusst widerspricht: aromatischer, offener und kompromisslos. Le Pin verführt und lädt anschließend zum Nachdenken ein.

Genau diese Trinkfreude macht auch in diesem Jahr den Reiz aus. Und doch wäre es zu einfach, den Jahrgang 2025 darauf zu reduzieren. Es war ein warmes, sonnenreiches Jahr, dessen Trauben in nur zwei Tagen und mit konsequenter Handarbeit gelesen wurden. Es war absolute Präzisionsarbeit nötig, um eine derartige Reife zu erreichen, ohne dabei die Frische zu verlieren. Am Ende zeigte der Le Pin 2025 ein straffes Rückgrat im Glas, ohne dabei an Geschmeidigkeit einzubüßen. Man könnte auch sagen: Verführung ohne Kompromisse.

Mein Fazit zum Le Pin 2025 (En Primeur) aus Pomerol

Der Le Pin 2025 wurde im Rahmen der En Primeurs Week als Fassprobe aus einer 0,75-Liter-Flasche direkt auf dem Weingut verkostet. Der Rotwein aus Pomerol hat einen Alkoholgehalt von 14,0 % Vol. und ist ein reinsortiger Merlot. Nachfolgend findest Du meine Verkostungsnotizen:

Anblick: Im Glas zeigte sich der Le Pin 2025 tiefdunkel zwischen Purpurrot und Rubingranat mit dezent durchsichtiger Mitte, violetten Reflexen und strahlender Klarheit.

Geruch: Das ausdrucksstarke Bouquet war geprägt von Eleganz und Aromen von schwarzen Wald- und Beerenfrüchten, reifer Kirsche, Himbeere, feinen Espresso-Röstaromen, einem Hauch Lakritz sowie floralen Nuancen.

Geschmack: Am Gaumen wirkte der Wein vollmundig und geschliffen. Er begann geschmeidig und beinahe umgarnend, bevor sich im Mund eine kraftvolle Eleganz entfaltet. Samtig-feine Tannine, eine frische Säurestruktur und ein langer Nachhall sorgten für Balance, Tiefe und bemerkenswerte Harmonie.

Fazit (99-100 Punkte): Der Le Pin 2025 verbindet Konzentration mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit des Ausdrucks. Die enorme Präzision der Frucht, die feine Textur und die Länge deuten auf ein großes Reifepotenzial hin. Die Trinkfreude war beeindruckend und dürfte über Jahrzehnte hinweg mit zusätzlicher Komplexität steigen, ohne dabei die ruhige, souveräne Eleganz zu verlieren.

© Titelbild/Bilder: Kim-Christopher Granz, SelteneWeine.de

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