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Piemont-Weine aus 2008: Verkostung von Barolo und Barbaresco

„Was hältst du eigentlich von Barolo und Barbaresco“, wollte Hartmut („Harti“) von mir wissen, während wir einen 1989 Château Larcis-Ducasse tranken und die Château Montrose Vertikale (Jahrgänge 1997, 1998 und 2003) noch vor uns hatten.

In der Tat hatte ich schon einiges über das Piemont gelesen und auch schon den ein oder anderen Barolo verkostet, doch einen richtigen Zugang zum „König des italienischen Weins“ hatte ich bis dato nicht gefunden. Dementsprechend hätte der ehemalige deutsche Fußballspieler, Andreas „Andy“ Möller, meine bisherigen Erfahrungen nicht besser beschreiben können: „Barolo oder Barbaresco, Hauptsache Italien!“

Genau sagen, warum ich den traditionellen Weinen weniger Aufmerksamkeit geschenkt hatte, als z. B. dem Bordeaux oder den „gehypten“ Supertoskaner, konnte ich nicht. Es hatte weder was mit dem Piemont, das für seine weißen Trüffel bekannt ist, noch mit den kräftigen Rotweinen oder gar der Rebsorte Nebbiolo zu tun. Wie dem auch sei, zum Glück Harti mein Stillschweigen nach seiner Frage richtig gedeutet und mich nach Göttingen zur Verkostung von Weinen aus Barolo und Barbaresco eingeladen.

Die Weinverkostung: Pickeliges Vorprogramm und Wein-Flights im „3er Format“

Nach unserem gemeinsamen Bordeaux-Abend bei Klaus („KD“), ging es für mich im September voller Vorfreude nach Göttingen zur Weinverkostung. Bei meiner Ankunft hatte Harti die Weine bereits geöffnet und für die bevorstehende Blindverkostung in entsprechend präparierte Karaffen umgefüllt. Und nachdem das Essen des örtlichen Caterers sowie alle Teinehmer/-innen eingetroffen waren, konnte der Abend voller Genussmomente beginnen.

Zu Beginn der Probe gab es drei „Prickler“ sowie einen 2008 Raumland Riesling Grande Réserve, der mich – im Vergleich zum Champagner – äußerst positiv überrascht hat: Im Glas zeigte sich ein sehr helles Goldgelb. Die Nase war leicht buttrig mit Aromen von Brioche. Und die Tiefe und Länge im Geschmack war grandios, kaum zu glauben, dass es sich hier um einen sortenreinen Riesling handelt.

Weiter ging es mit zwei Comm. G.B. Burlotto Barolo Monvigliero aus den Jahren 2017 und 2018. Zugegeben, die beiden Rotweine waren für einen Barolo noch sehr jung, doch die offene Nase, das feine und elegante Spiel der Aromen sowie die kraftvollen und opulenten Tannine waren großartig. Ohne Zweifel, dass was Giovan Battista Burlotto da auf seinem Weingut in Verduno zaubert, das ist großes Kino.

Anschließend folgte die geplante Blindverkostung der Barolo und Barbaresco aus dem Jahr 2008, wobei die gereiften Rotweine in 3er-Flights nebeneinander verkostet wurden.

Die Wein-Liste der Piemont-Flights im Überblick

– 2008 Giacomo Brezza Bricco Sarmassa, Barolo DOCG
– 2008 Brovia Garblet Sue, Barolo DOCG
– 2008 Comm. G.B. Burlotto Barolo Monvigliero, Barolo DOCG
– 2008 Elvio Cogno Bricco Pernice, Barolo DOCG
– 2008 Giacomo Conterno Cascia Francia, Barolo DOCG
– 2008 Fenocchio Bussia Riserva, Barolo DOCG
– 2008 Gaja Sperss Langhe, Barolo
– 2008 Elio Grasso Gavarini Vigna Chiniera, Barolo DOCG
– 2008 Bartolo Mascarello, Barolo DOCG
– 2008 Giuseppe Mascarello e Figlio Monprivato, Barolo DOCG
– 2006 Massolino Vigna Rionda, Barolo DOCG
– 2008 Produttori del Barbaresco Barbaresco Riserva Rabajà, Barbaresco DOCG
– 2008 Produttori del Barbaresco Barbaresco Riserva Pajè, Barbaresco DOCG
– 2009 Giuseppe Rinaldi Cannubi-San Lorenzo, Barolo DOCG
– 2008 Roagna Barbaresco Pajè, Barbaresco DOCG

Hinweis: DOCG – Denominazione di Origine Controllata e Garantita

Meine Top 3 Weine der Barolo- und Barbaresco-Verkostung des Jahrgangs 2008

Nach all den großartigen Weinen aus dem Piemont sowie dem spannenden Vor- bzw. Nachprogramm, mit u. a. Weißweinen von Van Volxem oder Egon Müller-Scharzhof, folgen nun meine Top 3 der Barolo und Barbaresco des Abends. Doch vorher möchte ich an dieser Stelle noch einmal Harti sowie seiner Frau, Anne, für den fantastischen Abend mit tollem Essen und spannenden Wein-Flights danken!

3. Bartolo Mascarello Barolo DOCG 2008

Mit Bartolo Mascarello verstarb ein Großmeister des Barolo, doch noch immer ist ein Teil seiner Philosophie in den Weinen seiner Tochter, Maria Teresa Mascarello, zu schmecken. Der Bartolo Mascarello Barolo DOCG 2008 zeigte ein helles Rubingranat im Glas. Die anfangs verschlossene Nase war geprägt von reifen Früchten wie Himbeeren, Zwetschgen und einem Hauch von Rosenblättern. Im Geschmack war der Barolo sehr elegant, wobei das Tannin sehr fein und dicht war. (95 Punkte)

2. Comm. G.B. Burlotto Monvigliero Barolo DOCG 2008

Zwar haben mir die jungen Jahrgänge von Giovan Battista Burlotto mehr zugesagt, doch auch der Comm. G.B. Burlotto Monvigliero Barolo DOCG 2008 gehört zu den ganz großen Weinen des Jahrganges. Während sich im Glas ein helles Ziegel- bzw. Karminrot zeigte, waren in der Nase tolle Aromen von reifen Erdbeeren, schwarzen Oliven und Gewürze zu vernehmen. Am Gaumen hingegen war der Rotwein sehr elegant, geprägt von mildem Tannin und einem langen Nachhall. (96 Punkte)

1. Angelo Gaja Langhe Sperss Barolo 2008

Angelo Gaja ist wahrlich ein Meister des Barolo und ein Verfechter der Moderne. Meine Vorfreude auf diesen Wein war vermutlich für alle am Tisch spürbar, zumal ich als Hobby-Winzer von der Finesse Gajas im Weinbau fasziniert bin. Der Gaja Langhe Sperss Barolo 2008 zeigte im Glas ein sattes Rubingranat mit einer dunklen Mitte. Die anfänglich rauchigen Noten wurde von dunklen Früchten, Gewürzen und Leder ergänzt. Im Geschmack hingegen war der Sperss Langhe Nebbiolo sehr kräftig und charakterstark, wobei sowohl das Tannin, als auch die Säurestruktur sehr fein waren. (98 Punkte)

© Titelbild/Bilder: Kim-Christopher Granz, SelteneWeine.de

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