Château Roc de Cambes ist das unangefochtene Aushängeschild der Appellation Côtes de Bourg und genießt unter Weinliebhabern Kultstatus. Eine Klassifikation gibt es in der kleinen Appellation am rechten Ufer der Gironde nicht – der Rang des Gutes wird allein durch seine Weine begründet, die seit Jahrzehnten beweisen, dass Bourg neben Saint-Émilion und Pomerol bestehen kann.
Die jüngere Geschichte des Weinguts begann im Jahr 1988, als François und Miloute Mitjavile das Anwesen erwarben. Mitjavile hatte zuvor mit Tertre Rôteboeuf in Saint-Émilion einen der begehrtesten Weine des rechten Ufers geschaffen und übertrug dessen Philosophie auf das neue Gut. Seit 1994 firmiert der Wein schlicht als Roc de Cambes. Heute arbeitet die Familie gemeinsam an den Gütern. Die Weine von Château Roc de Cambes werden traditionell direkt, aber auch über den Place de Bordeaux vermarktet.
Die rund 12,5 Hektar Reben liegen in einem nach Süden und Südwesten geöffneten Amphitheater oberhalb des Ortes Bourg und bieten einen Blick über die Gironde hinüber zum Médoc. Die Kalk- und Tonböden speichern Wärme und Wasser gleichermaßen, viele Rebstöcke sind an die fünfzig Jahre alt. Château Roc de Cambes ist heute zu 85 Prozent mit Merlot und zu 15 Prozent mit Cabernet Sauvignon bestockt; die früher vorhandenen Malbec- und Cabernet-Franc-Parzellen wurden aufgegeben.
Im Keller folgt das Weingut dem Credo der Familie Mitjavile: sehr späte Lese bei voller, fast überreifer Frucht, Gärung in traditionellen Betoncuves und ein langer Ausbau von 18 bis 24 Monaten in französischen Barriques, davon rund die Hälfte aus neuem Holz. So entstehen Weine von ungewöhnlicher aromatischer Fülle, die dennoch Frische und Trinkfluss bewahren.
Stilistisch verbinden sie seidige Tannine mit reifer, dunkler Frucht, würzigen Röstnoten und einer fast burgundischen Textur. Die Weine sind schon jung zugänglich und gewinnen über zehn und mehr Jahre deutlich an Tiefe, wie die Jahrgänge 2005, 2009, 2010, 2016 und 2019 zeigen. Ergänzt wird das Portfolio durch den Schwesterwein „Domaine de Cambes”, der von benachbarten, kühleren Parzellen stammt und als „Bordeaux AOC” gefüllt wird.



















