Das Weingut Tertre Roteboeuf zählt zu den eindrucksvollsten und eigenwilligsten Adressen in Saint-Émilion. Bemerkenswert ist, dass das Gut bewusst auf die offizielle Klassifikation der Appellation verzichtet, obwohl seine Weine längst das Niveau der Grands Crus Classés erreichen. François Mitjavile stellt kompromisslos die Qualität über jeden Titel, und genau diese Unabhängigkeit prägt den Kultstatus des Hauses.
Die Geschichte des Weinguts reicht bis zu einem Bauernhaus aus dem Jahr 1730 zurück. Das damals schlicht „Le Tertre” genannte Gut gehörte der Familie Gilard und ging 1961 an Miloute Gilard über, die spätere Frau von François Mitjavile. Nach einer prägenden Zeit bei Château Figeac übernahm Mitjavile 1977 die Weinberge und brachte 1978 seinen ersten eigenen Jahrgang heraus. Von Beginn an setzte er auf radikale Ertragsreduktion und die spätestmögliche Lese, und Mitte der 1980er-Jahre erlangte sein Wein internationale Anerkennung. Mit dem Jahrgang 1994 strich Mitjavile das Wort „Château” vom Etikett, um den Eigencharakter seines Weins in den Vordergrund zu stellen.
Die rund sechs Hektar Reben von Tertre Roteboeuf, die zu etwa 80 Prozent mit Merlot und zu 20 Prozent mit Cabernet Franc bestockt sind, liegen wie ein natürliches Amphitheater an einem Südhang des Kalkplateaus bei Saint-Laurent-des-Combes. Die Böden aus Kalkstein und Lehm sorgen für eine natürliche Drainage und die niedrige Cordon-Erziehung für optimale Reife. Dieses Mikroklima ermöglicht Lesetermine bis in den Spätherbst und verleiht den Trauben eine feine Mineralität.
Im Keller verfolgt Tertre Roteboeuf eine unverwechselbare Handschrift: Die Trauben werden spät von Hand gelesen, wenn sie vollständig ausgereift sind. Die Gärung erfolgt in traditionellen Zementbottichen und der Ausbau in 100 Prozent neuen Barriques des Küfers Radoux über 18 bis 24 Monate. Dabei erfolgt der malolaktische Abbau im Fass und der bewusst temperierte Keller fördert die Reifung. In dieser Zeit bilden die Weine ihre charakteristische Tanninstruktur und Fruchttiefe aus.
Das Ergebnis sind opulente Aromen roter und dunkler Beeren, begleitet von Anklängen an Tabak, Kaffee und Kakao. Präzise Säure und reife Tannine verleihen den Weinen frühe Zugänglichkeit und großes Reifepotenzial. Einen Zweitwein gibt es bei Tertre Roteboeuf nicht. Zur Familie gehören zudem Roc de Cambes in den Côtes de Bourg und die Domaine de l’Aurage in Castillon, die von Sohn Louis Mitjavile geführt werden. Auch Tochter Nina ist zunehmend eingebunden.


















